Das Monster in eurem Kopf

Die hochschwangere Freundin ist zu Besuch. Irgendwann die unvermeidliche Frage: „Und wie sieht es bei euch aus, habt ihr auch schon über Kinder nachgedacht?“
Ich seufze. Aber sie darf das. Nach 17 gemeinsamen Jahren, in denen man auch nach langen Durststrecken immer wieder zusammengefunden hat, darf man das. Ehrlich war man schließlich schon immer zueinander. Ich erinnere mich da an einen Anruf, damals als sie frisch aus den Ferien kam.
Sie: „Ich habe jetzt einen Freund.“
Ich: „Super! Wie ist er so?“
Sie: „Er schielt.“

Und nebenher hat man noch die schlimmste aller Phasen gemeinsam durchgestanden: Das Erwachsenwerden. Also: Sie darf das. Trotzdem ist sie kurz wieder da, diese Angst vor der Antwort. Die Antwort, die in den Köpfen mancher Menschen einen schlechten Menschen aus mir macht. Ein kinderhassendes Monster. Ich fange also an mit dem harmlosen Part unserer Beziehung. „Also M. könnte sich vorstellen Kinder zu haben.“
Sie ahnt es schon, ich sehe es an ihrem Blick. Sie weiß, was jetzt gleich kommt. „Ich – also momentan zumindest… Man weiß ja nie, was noch kommt… Also jetzt zu für den Moment…. – möchte erstmal keine Kinder.“
Ein ängstlicher Blick zu ihr, sie sieht nicht erschrocken aus. „Darf ich fragen wieso?“, fragt sie einfach bloß ganz sachlich. „Musst du aber nicht drüber reden“, fügt sie schnell hinzu, als ich nochmals seufze.
„Nee, schon ok. Kann nur etwas länger dauer jetzt“.

Ich fange an und zähle Gründe auf. Rede von der Gruseligkeit der Schwangerschaft. Ich zähle auf und auf und sie nickt immer nur zustimmend. Verdreht die Augen an den richtigen Stellen und hat eigene Standpunkte hinzuzufügen. „Finde ich auch alles ganz genau so!“, stellt sie am Ende fest. „Ich habe dann aber beschlossen: Jetzt erst recht, ich mache das trotzdem.“

Wir essen weiter Kuchen, trinken Tee und ich bin dankbar kein Monster sein zu müssen heute.

Status

Vor ein paar Tagen wachte ich auf und durch meinen Kopf schoss der unzusammenhängende Gedanke, dass Lychees verdammt ulkige Früchte wären.

Sagt doch eigentlich alles zum momentanen Geisteszustand. Kannste machen nix.

Häuptling Klumpfuß

Als Kind der 90er – oder waren in diesem Fall die frühen 2000er das Problem? – habe auch ich mir den (im wahrsten Sinne des Wortes) Fehltritt geleistet, in diesen unsäglichen Dockers Plateauschuhen durch die Gegend zu stiefeln.
Rückblickend habe ich mir diesen Faux Pas verziehen – ich war schließlich jung und wusste es nicht besser. Allerdings hatte ich mir auch ganz fest vorgenommen nicht nochmals auf so einen merkwürdigen Schuhtrend rein zu fallen.

Nun wissen wir ja alle schon lange um die Mode der superkrass gedämpften Laufschuhe, die jeder an den Füßen trägt. Ganz gleich, ob er nun vorhat irgendwo hin zu laufen oder nicht.
Ich habe das natürlich milde belächelt. Diese breiten Latschen kommen mir nicht an den Fuß. Egal wie gedämpft – eine fette Sohle ist eine fette Sohle.

Leider habe ich da die Rechnung nicht mit meinem Mann und meiner Freundin Laura gemacht. Die beiden haben sich nämlich verschworen und aus Erfahrung kann ich nun sagen, Ehemann verschworen mit Freundin, das ist ein duo infernale.
Angefangen hat es mit meinem Mann, der zur Freundin sagte „Wenn ihr schon ständig shoppen geht [Anm.: Stimmt ja gar nicht!], dann sorg doch bitte dafür, dass sich meine Frau mal ordentliche Schuhe kauft. Mit Fußbett und allem. Ständig jammert sie, dass ihr die Füße weh tun.“
Laura fühlte sich daraufhin wohl in ihrer Freundinnenehre angegriffen. Ihr arme Freundin Steffi in schlechten Schuhen rumlaufen zu lassen, das wollte sie sich keinesfalls aufs Brot schmieren lassen.
Es wurde also bestimmt, dass ich in die Riege der Laufschuhträger aufsteigen sollte.
Dass ich in den letzten Jahren vermutlich nicht mal 5 Meter am Stück gerannt bin, das hat dabei niemanden interessiert.

Jetzt bin ich also seit dem Wochenende Besitzerin von irgendwelchen superboost, atmungsaktiven, megagedämpften, energieabsorbierenden und -abgebenden Schuhen. In neonpink, weil wenn schon, denn schon. Nech.
Und was soll ich sagen? Ganz neues Lebensgefühl! Diese Klumpdinger haben tatsächlich einen Sinn – ich schwebe wie auf Wolken!
Einziger Nachteil: Durch die spezielle sockenähnliche Oberfläche kann mir jeder beim Zehenwackeln zuschauen – und das mache ich ständig.
Irgendwas ist ja immer.