Lebensbeichten

Gar nicht lange ist es her, da schrieb ich einen Artikel zur Menstruation, fühlte mich voll empowered, feministisch und vorreiterisch und so. Dann kam allerdings das Muffensausen und ich nahm ihn vom Blog.

Ach, und wo wir schon dabei sind: Manchmal schmuse ich noch mit Kuscheltieren.

Ich wäre gerne voll die harte Tussi. Bin ich aber nicht. Ist halt so.

Her mit den Mäusen

Gerade eben fand ich mich auf Amazon herumscrollend wieder. Auf der Suche nach einer Maus. Für meinen PC.
Weil wir jetzt bald ein neues Arbeitszimmer haben werden, und ich zudem einen Laptop als Hauptechner habe, der nicht AUF dem Schreibtisch stehen wird, suche ich eine kabellose Maus.
Ha! Schreit nun der  technikaffine  Mensch. Da gibt es doch tausende!
Ja. Aber. Sie soll keine Mini-Maus sein. Meine Hand sollte schon bequem darauf liegen können.
Weil ich durchaus auch in Grafikprogrammen arbeite, hätte ich gerne verstellbare dpi Zahlen. Am liebsten auf eine Art und Weise einstellbar, die anzeigt, welcher Wert gerade eingestellt ist. Also lieber Knöpfe als ein Rädchen.

Weil ich ja ein Fuchs bin, wechselte ich nach einigem Gescrolle zu den Gamer-Mäusen. Gamer lieben verstellbare dpi Zahlen.
Leider lieben Gamer anscheinend keine kabellosen Mäuse.
Zudem sollte meine Maus nicht aussehen als hätte ich ein schwerwiegendes Egoproblem. Echt! Guckt euch mal Gamer-Mäuse an! Da wird einem Angst und Bange….
Ach ja und 12 Knöppe an der Seite brauche ich auch nicht. Ich plane keine „komplizierten Manöver“ (danke, liebe Werbetexter!).

Tja, nun bin ich genau so schlau, als wie zuvor… Aber bis zu meinem Geburtstag ist es ja noch hin. Der Wunschzettel muss ja nicht unbedingt heute fertig werden.

Murre knurre kusch – manchmal aber schnurrig

Kennst du das? Diese Tage, an denen man ganz schnurrig ist? Nein, nicht ROLLIG! Herrgott! Du und deine dreckigen Gedanken!. Schnurrig! Man möchte seinen Liebsten immerzu um die Beine schnurren und ist dankbar und glücklich und von Zufriedenheit erfüllt. Es ist, als ob das Herz an diesen Tagen ein bisschen größer wäre als sonst und ganz freiliegend. Es pulsiert und jeder Schlag ist wie ein Atemzug, mit dem man pure Liebe einatmet.

An normalen Tage laufe ich durch die Wohnung, stolpere über die Schuhe meines Mannes und knurre in mich hinein, finde seine Socken im Wohnzimmer und die Fernbedienung in der Küche, im Schlafzimmer liegen 3 Hemden und 7 Krawatten auf dem Bett. Ich rege mich auf.
Wenn ich den großen Küchenschrank öffne und wieder alles an anderer Stelle steht, als es eigentlich sollte, fluche ich vor mich hin.
Das passiert mir an schnurrigen Tagen nicht. An schnurrigen Tagen freue ich mich über die Anzeichen männlichen Lebens in der Wohnung. Während ich die 7 Krawatten vom Bett räume und zusammen rolle, schnüffele ich heimlich an der Krawatte, die er während der Hochzeit trug und schwelge in Erinnerungen. Mein Herz macht dann einmal besonders lang und laut „Poch!“ und wird noch ein bisschen größer.

An schnurrigen Tagen genieße ich jede seiner kleinen Eigenheiten. Ich liebe es, wie er sich das Gesicht eincremt. Einfach so klatsch, klatsch, schmier. Keine Frau käme je auf die Idee das so zu machen.
Wie er den Gürtel schließt und anschließend das Hemd in die Hose stopft, treibt mir Tränen der Rührung in die Augen. Weil es einfach SO schön ist ihn zu haben.
„Poch, poch, poch!“, macht mein Herz und bläht sich auf zu einem riesigen, herzförmigen Luftballon.
Die Tatsache, dass er immer noch den alten Edelstahlring trägt, den er von mir zum 2jährigen bekommen hat – „megapoch!“.
Der Duft seines Duschgels, wenn ich unter die Dusche steige. Ich nehme einen tiefen Atemzug. mit der Nase – und mit dem Herzen.
Wenn morgens nur meine Nase irgendwo unter Bettdecke und verwuschelten Haaren hervorlugt und ich in einer kleinen Sabberpfütze aufwache und er mich anschaut mit diesem Blick voller Liebe und völlig verzückt „Du bist SO schön!“ murmelt, dann glaube ich immer mein Herz müsste in jedem Augenblick platzen. Weil es gar nicht so groß werden kann, wie es müsste, um all das Glück und die Liebe aufzunehmen. Irgendwann müsste es einfach ganz laut PENG! machen und es gäbe eine riesen Sauerei. Aber vermutlich würde jeder kleine, blutige Krumen zerfetzten Herzes warm glühen und pink glitzern.

Wäre es nicht schön, wenn wir jeden Tag schnurrig sein könnten?

Falscher Umgang?

Mit 19 ist man noch nicht so gefestigt. Oder besser: Mit 19 war ich noch nicht so gefestigt. Mit einem Fuß noch in der Pubertät und ungeachtet dessen steht man plötzlich mitten im Leben. Vor einem die große Unbekannte: Zukunft. Wo wird es mich hin verschlagen? Was werde ich dort tun? Alles ungewiss und irgendwie auch alles möglich, machbar. Die Welt steht mir offen, also los, was kostet die Welt?! Dachte auch ich mir. Und wählte mir zielgerichtet einen der fragwürdigsten Orte, um mich dem Erwachsen-Werden zu stellen: die technische Fakultät der Universität. Zum Informatik studieren.
So stand ich also da. Inmitten all der Jungs. Mit meinen zwei verschieden farbigen Schuhen. Und den Totenkopfohrringen. Zarte 19. Beeinflussbar. Ungefestigt. Naiv.

So ungefähr, falls du dir ein Bild davon machen möchtest:

Jaaa, das Bild ist ein bisschen geschummelt. Das ist von etwas später, da hatte ich - wie man sieht - meine schwarz, grau, rote Totenkopfphase schon hinter mir gelassen.

Jaaa, das Bild ist ein bisschen geschummelt. Das ist von etwas später, da hatte ich – wie man sieht – meine schwarz, grau, rote Totenkopfphase schon hinter mir gelassen.

Worauf ich hinaus will?
Ich glaube – so im Nachhinein – dass mir das gar nicht so gut bekommen ist. Vier lange, prägende Jahre lang fast allein unter Männern. Das ist irgendwie nicht gut gegangen.
Denn auch wenn der pinke Pullover da oben auf dem Foto verzweifelt zu schreien scheint „Hey! Hallo! Ich bin ein MÄDCHEN! Ich trage pink!“, innen drin bin ich jetzt ganz schön Mann.
Zumindest mehr Mann, als die Frauen, die ich sonst so kenne. Oder sie können es besser verstecken.

Von einem Vorfall mit Mett (man könnte es ein „Intermettzo“ nennen, harhar) habe ich bereits ein mal berichtet.
Wenn Jungs sich unterhalten, dann kann ich sie verstehen! Selbst die Nerds!
Kein schweinischer Spruch ist mir zu schweinisch und erst recht nicht zu platt. Die Welt ist meine Bühne. Und ich bin ihr Ingo Appelt.
Ich kann fluchen wie ein Kesselflicker. Ohne rot zu werden.
Letztens zog sich ein Freund vor mir um! Einfach so! Dann tranken wir gemeinsam ein Bier. Er rülpste. Einfach so! Und ich spreche hier von einem echt schüchternden Freund. Es hat 3 lange Jahre gedauert, bis er überhaupt mal ein Wort mit mir wechselte. Dann bemerkte er wohl irgendwann den Mann in mir drin…
Es hat nun bis zu meinem 28. Lebensjahr gedauert, bis ich immerhin 5 Minuten unfallfrei auf „hohen Schuhen“ (die Tussis dieser Welt würden mich auslachen!) stehen kann.
Letztens entdeckte ich Spotify für mich und blieb ausgerechnet an der Playlist „International Playboy“ hängen. Playboy! Hallo?!
Es bedurfte einer 10 minütigen Überzeugungsarbeit, um meiner Frisörin glaubhaft zu versichern, dass ich tatsächlich ab und an Lippenstift tragen würde.
Egal wie sehr ich mich bemühe, ich schaffe es einfach nicht ein komplettes „Outfit“ zusammen zu stellen. Also so, dass ich zurechtgemacht aussehe. Gegen meine Freundinnen stinke ich daher gefühlt immer ganz schön ab, wenn wir uns treffen.

Das wäre doch alles nie passiert ohne diesen schändlichen Einfluss, oder? Oder?!


 

Um meine Studienzeit nicht nur als männlich geprägte Erziehungsanstalt dastehen zu lassen, muss ich nun auch noch einige liebevolle Worte über meine Studienkollegen fallen lassen.

Die komische Hand, das ist Tim. Sag mal "Hallo", Tim!

Die komische Hand, das ist Tim. Sag mal „Hallo“, Tim!

Eigentlich war es nämlich so, dass ich von einer Gruppe echt dufter Typen „adoptiert“ wurde. Mir wurde öfter ein Kaffee ausgegeben, als einer lasziven Femme Fatal Drinks an der Hotelbar.
Wenn ich mies drauf war, dann haben sie sich jeder einzelne ohne Hemmungen so lange zum Affen gemacht, bis ich wieder lachen konnte.
Und manchmal, ganz selten, habe ich auch schönes und erst gemeintes Kompliment zu hören bekommen.

Dagegen gab es natürlich auch die Typen, gegen die ich mich echt zur Wehr setzen musste. Weil manche Männer nicht glauben können oder wollen, dass auch Frauen Informatik studieren. Und eventuell sogar verstehen und anwenden können, was sie da lernen.
Und vielleicht sind sogar diese Typen, die wahren Schuldigen. Denn vielleicht ist der Mann in mir, ja bloß meine starke Persönlichkeit, die sich gegen diese Dummköpfe durchsetzen musste.