Verbrannt gegangen

„Die ist verbrannt gegangen.“ Mit diesen Worten stellte der Kellner in der Pizzeria meiner Begleitung weit nach allen anderen eine Pizza auf den Tisch. Natürlich eine frische, nicht die verbrannt gegangene.
Das ist schon viele Jahre her – weit über zehn. Und auch wenn ich das ein wenig erschreckend finde, erinnere ich mich in letzter Zeit häufig daran. Dabei geht es gar nicht um Pizza.
„Die ist mir verbrannt gegangen“, will ich dann auch immer sagen und die Schultern entschuldigend nach oben ziehen. So als wäre das halt ärgerlich, aber könne mal passieren und überhaupt. Verbrannt gegangen, aber das ist ja kein Weltuntergang.
„Die ist verbrannt gegangen“, murmele ich auch gestern, als ich im Auto den Nachrichten lausche. Die Erwähnung von Großbaustellen rund um Paderborn löst nämlich bösartiges Kichern bei mir aus. Also hilft nur „Die ist verbrannt gegangen“ hinterher zu murmeln. Das ist Erklärung und Entschuldigung zugleich.

Letztens im Einkaufszentrum hätte ich es vielleicht auch sagen sollen. Stattdessen klammerte ich mich an der Hand meines Mannes fest, als wir das Auto entdeckten, das ich zu entdecken befürchtet hatte.
Andererseits: hätte mein Mann das vielleicht merkwürdig gefunden, wenn ich mitten auf dem Parkplatz die Schultern hochgezogen hätte und „Die ist verbrannt gegangen“ lamentiert hätte?
Er hätte ja nicht wissen können, dass nicht die Pizza, sondern ja, was eigentlich? – gemeint wäre. Meine Aura? Meine positiven Schwingungen? Meine Gelassenheit? Vielleicht auch mein Glaube daran alle Menschen mögen zu können oder die, die man nicht mag, wenigstens so weit zu ignorieren, dass eben nichts verbrannt geht. Meine Fähigkeit zu verzeihen. Mein Wille die Gegenseite zu verstehen.
Manchmal alles verbrannt gegangen – bloß weil sie eine richtig doofe Kuh ist.

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