rewind

Es ist die Zeit des Innehaltens und der Rückblicke. Allerorts besinnen sich die Menschen aufs zurückliegende Jahr. Vergleichen die Liste der zu erreichenden Dinge mit der Liste der tatsächlich erreichten Dinge. Wiegen Glück und Leid gegeneinander auf. Präsentieren ihre liebsten Outfits des Jahres.

Kurz habe ich überlegt dieses Jahr ebenfalls mitzumachen. Die letzten Jahreswechsel hing ich tatsächlich stets etwas zwischen den Jahren fest. Strampelte verzweifelt mit den Beinen und konnte doch nicht vor und nicht zurück. Der Rückblick quälte ebenso wie der Blick in die Zukunft. Der Jahreswechsel, der doch immer ein klarer Schnitt zwischen Vergangenheit und Zukunft, Chance für den Neustart und Möglichkeit für Selbstoptimierung sein sollte, war eben dies nicht für mich. Die anderen blickten zurück, schritten voran, machten Pläne. Mir dagegen erschienen das vergangene und das anbrechende Jahr als dieselbe, graue, undurchsichtige Masse.
Dieses Jahr wäre das ganz anders. Der Blick zurück würde sich lohnen und eine Geschichte des Loslassens und des Aufstiegs erzählen. Phönix aus der Asche -wenn ich kurz so melodramatisch werden darf (es sei mir gegönnt so knapp vor Weihnachten).
Dann aber der Blick ins nächste Jahr: und wieder nur Schulterzucken. Keine graue wabernde Masse, aber halt auch keine Ahnung. Und ich finde das gar nicht so schlecht. Ich habe es mir schlicht abgewöhnt den Blick zuweit zurück, oder zu sehr nach vorne schweifen zu lassen. Nicht weil es mir egal ist. Sondern weil es nicht mehr nötig ist. Ich will mich nicht mit der Vergangenheit vergleichen oder noch schlimmer mit einem imaginären Zukunfts-Ich, dessen heere Ansprüche kaum zu erfüllen sind. Mir gefällt es ganz einfach so, wie es ist und jeden Moment für sich zu nehmen – genau in dem Moment, in dem er geschieht.

Alle Dinge sind im ewigen Fluß, im Werden, ihr Beharren ist nur Schein.
Heraklit

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