Männer sind die gnädigeren Frauen

Ich nehme an, ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich zugebe als Frau ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu meinem Körper zu haben.
Einerseits bin ich mit den inneren Abläufen, die er recht zuverlässig leistet ganz zufrieden. Ok, dieses Sodbrennen nach der Schokolade kurz vorm Schlafengehen, das müsste nicht sein. Dufte wäre auch, wenn mir kurz vor der Menstruation nicht sämtliche Hosen den ach so stark geschwollenen Unterbauch zerquetschen würden.
Aber sonst  kann ich mich nicht beklagen. Manchmal bin ich sogar regelrecht dankbar für das, was mein Körper alles so leisten kann. Ja, hört sich jetzt etwas esoterisch und entrückt an, aber manchmal denke ich mir „Ist das nicht wunderbar, dass ich einfach so losgehen kann?! Meine Füße tragen mich sicher vorwärts und mir tut nichts dabei weh. Das ist nicht selbstverständlich.“. (Keine Sorge, meine nähere Umwelt, hat sich bereits seit langem damit abgefunden, dass ich einen an der Klatsche habe.)

Andererseits hat mein Körper aber auch noch ein Äußeres. Und ich hasse meine Oberschenkel! Sowas Teigiges hat man selten gesehen. Und wie es teigige Körperstellen so an sich haben, sind sie mit Dehnungsstreifen und Besenreißern verziert. Die Cellulite möchte ich nicht unerwähnt lassen.
Weil es natürlich blöd aussähe, wenn über diesen Schwabbeldingern ein knackiger kleiner Apfelpopo thronte, habe ich keinen. Würde es nach der Fernsehsendung gehen, die ich einmal zum Thema sah, hätte ich wohl einen Kartoffelhintern. Ich finde das aber nicht fair. Es gibt Apfelpos, Birnenpos, Pfirsichpos und Kartoffelhintern?! Man sollte zur Wahrung der Gerechtigkeit schon in der Obstmetapher bleiben. Mein (damals noch) Freund und ich tauften den Katoffelhintern also um in „Wildpfirsichpo“. Macht doch gleich viel mehr her!
Mein Wildpfirsichpo versucht sich nun also meinen delligen Schwabbelschenkeln anzupassen und wirkt daher wie ein sehr reifer Wildpfirsich, der schon mit einigen Druckstellen aufwarten kann.
Kurzum: meine untere Körperhälfte versetzt mich ganz und gar nicht in Entzücken und ich vermeide Blickkontakt so gut es geht. Was Steffi nicht weiß, macht Steffi nicht heiß.

Mein Mann allerdings geht ab und an an mir vorbei, gibt mir einen Klaps auf den Hintern und säuselt „Knackpopo“ in mein Ohr. Das Protestieren verkneife ich mir mittlerweile, denn es wird ja doch nur mit „Wenn ich sage Knackpopo, dann ist das auch ein Knackpopo!“ gekontert. Und dass mein Mann an Realitätsverlust leidet ist mir ja ohnehin nicht neu. Es wird mir immer wieder deutlich an diesen Morgenden, an denen er völlig verzückt neben mir liegt, den Kopf auf eine Hand gestützt, mich mit verklärtem Blick betrachtend und dann haucht „Du bist so schön.“. Ich schwör, der meint das ernst in dem Moment! „HÄÄÄÄ?“, möchte ich ihm dann entgegen schmettern, sage aber lieber nichts. Denn ich bin mir sicher, dass mein Morgenatmen in diesem Moment ganz Armeen niederstrecken könnte. Ich belasse es also dabei mein verknautschtes Gesicht mit den wirren Strubbelhaaren und verklebten Augen noch etwas tiefer im Kissen zu vergraben und ganz leise verächtlich zu schnauben.

Dann wäre da noch Tim. „Wir können ja mal schwimmen gehen“, schlägt er vor. Mein „Da muss ich erst abnehmen.“ wird mit heftigem Augenrollen quittiert. Er holt tief Luft, um zu einer flammenden Rede anzusetzen, die sicher beinhaltet, dass ich gar nicht zu dick fürs Schwimmbad sei.
„Nee, echt!“, unterbreche ich ihn vorzeitig. „Ich passe nicht mehr in meine Schwimmsachen.“
Tim seufzt. „Dann kauf halt neue?!“
Ha!  Was denkt der sich eigentlich?! Größere Sachen kaufen?! Das ist ja, als würde man sich die Niederlage eingestehen! Wo sind wir denn hier?!
Und überhaupt, ich stecke die Schwabbelschenkel und den matschigen Pfrisich doch nicht in ein Bikinihöschen und traue mich dann in die Öffentlichkeit. Vorstellungen hat der manchmal…
Spätestens von den Frauenzeitschriften beim Frisör weiß ich: Sowas tut man nicht!
Man denke nur an die Sommerausgaben jener Klatschmagazine. Da gibt es Großaufnahmen von VIP-Cellulite, die biestig kommentiert werden. Nicht auszudenken, wenn das meinem alten Pfirsich passieren würde…. Die Schmach wäre nicht mal mit einer Tonne Schokolade auszubügeln!

Zeit also die Wahrheit aus meinem Mann herauszukitzeln. „Du sag mal…“. Er kriegt direkt diesen panischen Blick, den Männer nun mal bekommen, wenn sie meinen nun in die Falle getappt zu sein. Er versucht es mit einem aufmunternden „Hm?“.
„Wenn wir so… dabei sind…. Und du siehst dann diese schwabbeligen Oberschenkel. Findest du das nicht scheiße?“
Er beschließt mich auszulachen. Als er sich beruhigt hat, sagt er „Ich finde dich wunderschön. Immer.“
„Aber die Dehnungsstreifen….“, setze ich an. Mein Mann unterbricht mich. „Es gibt wenig, was mir in diesen Momenten noch mehr egal ist.“. Ich schaue ihn an. Lange. Er sieht tatsächlich schon wieder so aus, als würde er das alles vollkommen ernst meinen.
„Hm“, sage dieses Mal ich und entsinne mich an einen Artikel von jetzt.de. Da schreibt Fabian Fuchs auf die Frage „Jungs, findet ihr uns nackt immer schön?„:

Tretet ihr uns aber in ganzheitlicher Schönheit gegenüber, herrscht eine Reizüberflutung, die viele Kleinigkeiten einfach überspült. Meistens seid ihr nackt sogar noch viel schöner, als wir uns das (und ihr euch) je vorstellen konnten.

Manchmal komme ich nicht umher Männer mit Hunden zu vergleichen. So treu, lieb und ständig im Hinterkopf „Frauchen ist die Beste“. Und manchmal wedeln sie sogar mit dem Schwanz.
Irgendwie rührend, oder?

 

Vielen Dank für deinen Kommentar!