Liebe KiWu-Mamis, bitte nicht hingucken

… denn das könnte jetzt hässlich werden. Ganz, ganz hässlich. Eventuell auch unfair. Und übertrieben.

ABER: Ich habe das was entdeckt. Auf Instagram. Wer auf weiblichen Profilen rumklickt, kennt ja die Beschreibungstexte. „Blabla, verliebt seit tt.MM.yyyy, verlobt seit tt.MM.yyyy, verheiratet seit tt.MM.yyyy“ Finde ich ja schon immer sehr merkwürdig. Vor allem, weil mir das  in dieser Art bei männlichen Profilen noch nicht untergekommen ist.
Ganz oft gibt es auch noch „Mama von xy„, wobei sich XY gar nicht mal so selten als Hund herausstellt. Befremdlich, sehr befremdlich.
Aber gut, wer sich hauptsächlich über seine Beziehung, Kinder und Hunde definieren möchte, der darf das gerne tun.

Nun bin ich aber letztens auf etwas gestoßen, das sah so aus: „KiWu seit tt.MM.yyyy“
„Hö?“, dachte ich mir und sah mir das Profil genauer an. Nach dem Deuten einiger Hashtags, dem Studium einiger Bildunterschriften und dem Betrachten diverser Bildchen, kam mir dann die Erleuchtung. Kinderwunsch.
Ok, so weit, so gut. Verwirrend war für mich immer noch die Angabe des genauen Datums. Mit Tag, Monat und Jahr! Fehlte nur noch die Uhrzeit. „Seit dem 27. September 2015, 18:32 Uhr und 16 Sekunden wünsche ich mir ein Kind. Dringend!“ Oder wie darf ich mir das jetzt vorstellen?
Ich seufzte ein wenig erleichtert auf. Da für mich dieser genau definierte Zeitpunkt des dringenden Kinderwunsches noch nicht aufgeploppt war, kann meine Vermutung mit dem Kinderkriegen noch warten zu können – es eventuell ganz auszuschließen – ja nicht ganz so verkehrt sein.

Derart erleichtert klickte ich noch ein wenig herum und gelangte von „KiWu-Mädel“ zu „KiWu-Mädel“. So nennt man sich wohl, wenn die innere Uhr anschlägt und so von der äußeren Uhr ablesbar ist, das man nun ganz dringend Mami werden muss.
Ich begann eine Reise durch eine faszinierende Welt. Sogar eine ganz eigene Sprache gibt es da.
„ES“ ist, wie ich vermute, der „Eisprung“. „ZT“ ein „Zyklustag“. Mit seinen Männern schläft man nicht, nein. Man hat auch keinen Geschlechtsverkehr, vögelt, bumst oder hat Sex. Man „herzelt“. Das wird aber nicht so plump ausgeschrieben. Man nimmt stattdessen ein Herz-Emoji und packt „elt“ dahinter.
Und geherzelt wird oft. Je nach ZT und ES (gemessen wird TÄGLICH! mit Ovulationstests, die natürlich fotografisch festgehalten werden) muss der Mann ordentlich ran. Da nimmt man kein Blatt vor den Mund. Herzeln gehört zum Geschäft.

Da der KiWu ja ganz genau datiert ist, fiebern wir nun also alle schon 2 volle Wochen mit (das entspricht ungefähr einem halben Zyklus. In einem halben Zyklus kann ALLERHAND passieren. Vor allem wird der KiWu ganz schrecklich dringend! Und man glaubt gar nicht, wie viele Ovulationstests man in 14 Tagen so bepinkeln kann. Ein räudiger Straßenköter würde vor Neid erblassen.).
Doch, oh Schreck! Der Mann scheint sich beim Herzeln nicht genug angestrengt zu haben, denn die Monatsblutung tritt ein. Natürlich nicht ganz unerwartet. Schließlich wird schon 10 Tage vorher jeglicher Ausfluss analysiert (Gott sei Dank, ohne fotografischen Beweis), jedes Kneifen und Ziepen irgendwo im Körper wird genauestens durchdiskutiert. Nach 10 Tagen dann leider die große Enttäuschung, keine Anzeichen für Schwangerschaft, bloß Gebärmutterschleimhaut, die nicht länger im Körper verweilen möchte (ist vielleicht zu stressig bei dem ganzen Geherzel).

Nach 3 Wochen ist also klar: So geht es nicht weiter. Nun hat man schon einen „ÜZ“ (Übungszyklus) hinter sich und ist doch noch nicht prall gefüllt mit Zellhaufen. Wurde etwa das Üben nicht ernst genug genommen?! Hm?! Und was übt man da eigentlich? Wenn ich jetzt mal grob überschlage, wie lange ich schon „übe“ mit meinem Mann zu schlafen, dann wundert mich das überhaupt nicht, dass bei nur einem ÜZ nicht viel dabei herumkommt. Habt ihr überhaupt das richtige Loch gefunden?!
Nein, nein, an all dem kann es nicht liegen. Schließlich hat man extra KiWu-Yoga nach jedem Herzeln gemacht, damit der Saft des Lebens auch dort hingelangt, wo er hingelangen soll. Und vielleicht auch, damit der Mann nach dem anstrengenden Herzelmarathon mal etwas zu lachen hat.

Nun werden ganz andere Saiten aufgezogen! Biochemie! Wem die Folsäuretabletten noch nicht aus den Ohren wieder rauskommen, der hat auch keinen ernsten KiWu. Und wenn sich eine vorm Herzeln nicht mit samenfreundlichem Gleitgel befüllt, dann erst recht nicht! Blutige Anfänger! (Im wahrsten Sinne des Wortes….)

Manchmal bin ich ganz froh, dass meiner inneren Uhr wohl die Batterien ausgegangen sind….


 

Liebe Frauen mit Kinderwunsch! Dieser Text geht nicht zwingend gegen euch! Ich kann nachvollziehen, dass ihr euch ein Kind wünscht. Und dass es frustrierend ist alles zu versuchen und dem Ziel doch nicht näher zu kommen.
Ich kann verstehen, dass ihr einen Platz sucht, um euch auszutauschen. Kinderkriegen ist ein gefühlsbeladenes Thema und alles an Vorfreude und Enttäuschung braucht ein Ventil.

Dieser Text beschreibt eher diejenigen, die so scheinen, als würden sie eurer Community nur beiwohnen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Kann jemand seinen Kinderwunsch wirklich auf einen genauen Tag datieren? Sollte jemand, der diesen Wunsch seit einer Woche verspürt, wirklich ein Monatsgehalt in Ovulationstests, Tabletten, Schwangerschaftstests und Tabletten stecken?

Vielen Dank für deinen Kommentar!