Ist das die innere Uhr oder was tickt hier nicht richtig?

Machen wir uns nichts vor. Ich bin 28 Jahre alt und seit über einem halben Jahr verheiratet. Natürlich schweifen meine Gedanken da ab und an zum großen Thema „Kinderkriegen“. Würden sie das nicht von selbst tun, wäre das auch kein Problem. Die so genannte „Gesellschaft“ sorgt schon dafür, dass man an sein gebärfähiges Alter erinnert wird. Sei es die Freundin, die auf „Ach, habe ich dir ja noch gar nicht erzählt.“ prompt mit „Schwanger?!“ antwortet. Der neue Versicherungsvertreter, der das erste Mal (!!!!) da ist und direkt die Familienplanung en detail erfragt. Die Kollegin, die einen mit dem Neffen sieht und sagt „Kind steht dir“ und verschwörerisch grinst. Tim, der (Ja, Tim, du!!!) auch nie um eine Anspielung verlegen ist…. Der Schwiegervater, der darauf besteht, dass das neue Auto 4 Türen hat, man weiß ja schließlich nie. Ich könnte diese Aufzählung noch endlos weiterführen, aber um den „Druck“, den das Umfeld bewusst oder auch unbewusst auf Frauen in meinem Alter ausübt (Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es momentan wäre ein Vorstellungsgespräch führen zu müssen!) soll es heute gar nicht gehen. Das wäre einen eigenen Blogpost wert. Vermutlich komplett in Großbuchstaben geschrieben und mit dem ein oder anderen „…verfickt nochmal mein Körper…“ oder „…geht dich einen feuchten Kehricht an…“ gespickt.

Nein, heute geht es um den Druck, den man sich selbst macht. Sei er nun von außen induziert oder komplett selbst gemacht.
Nun ist man also 28 Jahre alt, die 30 winkt einem  schon von gar nicht mehr so weit weg fröhlich zu, und fragt sich zunächst „Wie lange darf man eigentlich bebe young benutzen?“ und kaum ist dieser Gedanke gedacht, folgt auch schon „Sollte ich irgendwann mal Kinder haben wollen, wann wäre denn die Zeit dafür? Und will ich überhaupt Kinder? Wenn ich mich jetzt entscheide keine Kinder zu haben, hasse ich mich dann mit 43 selbst? Wenn ich mich jetzt aus Angst, mich mit 43 sonst zu hassen, dazu entschließe Kinder zu bekommen, hasse ich mich dann in spätestens 10 Monaten selbst? Gibt es Mütter, die sich hassen, weil sie Kinder haben? Gibt es Frauen, die sich hassen, weil sie keine Kinder haben? Warum macht niemand Statistiken zu diesen wirklich wichtigen Fragen des Lebens?“
An diesem Punkt ist einem dann so schwindlig, dass man alle Gedanken zum Thema beiseite schiebt und erstmal eine bis anderthalb Tafeln Schokolade zur Beruhigung isst. Das wiederum führt zu „Scheiße, so viel Schokolade. Ich werde fett. Nur weil ich jetzt verheiratet bin, muss ich ja nicht fett werden. Wenn man schwanger ist, wird man auch fett. Würde mein Mann mich überhaupt in fett wollen? Ist schokifett anders als schwangerfett? Stehen Männer wirklich auf Schwangere? Dann kriegt man ja so große Brüste. Scheiße, ich muss doch so schon immer so blöde BHs kaufen. Welche Größe soll das dann in einer Schwangerschaft werden? Und dann braucht man ja auch so Still-BHs! Himmel hilf, gibts die überhaupt in so großen Größen? Wo würde man die kaufen? Würde ich überhaupt stillen wollen? Ich bin doch keine wandelnde Milchtüte! Aber man sagt ja, stillen wäre besser fürs Kind. Bei meinem Schwager hat es ja den Anschein gehabt, er würde seine Frau regelrecht zum Stillen zwingen! Der muss seine Brüste ja auch nicht herhalten, der Penner! Scheiß Männer!“ 
Nun schiebt man schnell noch einen Riegel Schokolade rein und ist provisorisch sauer auf den eigenen Mann, der die Welt mal wieder nicht versteht und einen anschaut wie ein geschlagener Hund.
Also: „Meine Güte, jetzt guckt er wieder so herzerweichend. Der soll sich mal nicht so anstellen. Als wäre ich immer so grausam. Bin ich grausam? Vielleicht bin ich gar nicht rational genug, um eine Mutter zu sein? Allerdings, welche Mutter ist schon rational? Verliere ich meine Fähigkeit zur Raison, wenn ich Mutter werde? Scheiße, ich will nicht so debil grinsend mit Rucksack und praktischen Jack Wolfskin Schuhen hinter einem Kinderwagen hertrotten, nur weil das Kind mal an die frische Luft sollte. Überhaupt, wer beschließt, dass Kinder ständig an die frische Luft sollen? Boah, meine Schwiegermutter sagt schon ständig zu meiner Schwägerin ‚Der Junge muss mal raus‘. Wenn die mir das ständig sagt, dann flipp‘ ich aus. Aber immerhin ist das Kind total oft bei seiner Oma. Eigentlich immer, wenn mein Schwager sonst mal alleine das Kind hüten müsste. Scheiß Chauvi! Wieso kriegt der überhaupt ’nen Kind? Die Beziehung der beiden ist total ungleichberechtigt. Wer versichert mir, dass mein Mann das nicht auch so durchziehen würde? So wie der schon wieder guckt, ist ihm alles zuzutrauen!“ Es folgt ein weiteres Stück Schokolade und die Vorhaltung, dass seine Mutter ja immer alles besser wissen würde.

Das könnte jetzt immer so weitergehen, denn ich kann euch versichern: In meinem Alter führt jedes – wirklich JEDES! – Thema  zu Schwangerschaftsgedanken. Einige kurze Auszüge zur Demonstration:

  • Überlegungen zum Hauskauf: „Wie viele Zimmer bräuchten wir? Ich will auf jeden Fall ein Bastelzimmer. Wenn wir jetzt ohne Kinder rechnen und dann später doch eins bekommen, müsste ich mein Bastelzimmer aufgeben. Ich liebe mein (noch nicht vorhandenes) Bastelzimmer!!!“ *provisorisch tief betrübt sei*
  • Bestellung einer Pizza: „Dürfte man in der Schwangerschaft Pizza essen? Wegen dem Käse. Irgendwelche Käsesorten darf man dann doch nicht essen. Und an Folsäure soll man auch denken. Angeblich sollte man Folsäure ja schon einnehmen, wenn man nur daran denkt eventuell in nächster Zeit schwanger werden zu wollen. Meine Güte, gibt es wirklich Frauen, die ihr gesamtes Leben darauf ausrichten eine Schwangerschaft zu planen?! Arme verwirrte Seelen! Ich bin da ja zum Glück GANZ anders!“
  • Kuchen backen: „So, jetzt noch die Nüsse in den Teig. Darf Yannick jetzt eigentlich Nüsse? Zum seinem ersten Geburtstag gabs nur so langweilige Kuchen ohne alles, weil kleine Kinder ja keine Nüsse, Schokolade, Zucker oder sonstwas essen sollen, das Spaß macht. Gott, meine Schwägerin ist aber auch von diesen überbesorgten Kreiselmuttis. Fürchterlich! Aber wer gibt mir die Garantie, dass es bei mir anders wäre? Was wenn ich plötzlich auch nur noch fürs Kind lebe? Würde ich das überhaupt merken? Ich will meinen Alltag nicht ausschließlich von Kinderausscheidungen bestimmen lassen! Ich könnte wahrscheinlich nicht mal Windeln wechseln! Ich bin doch so geruchsempfindlich! Wie peinlich wäre das denn?! Eine Mutter, die ihrem Kind nichtmal die Windeln wechseln kann?! Pah, schon wieder diese von der Gesellschaft überzogenen Ideale, die einer Mutter zugeschrieben werden… Wenn es nach der Gesellschaft ginge, würde ich vor lauter Stolz platzen, nur weil das Kind in die Windel kackt. Mutterliebe und trallalala….“ *beim Backen so aufreg, dass der Kuchen nix wird*

Ihr seht was ich meine, ja?

Und das nächste Mal erfahren wir, wie man ein Kind zu einem Serienmörder erzieht. Ich freu‘ mich auf euch!

P.S.: Für eventuell mitlesende Cousinen, Freunde, anderweitige Bekannte: Nein, ich bin nicht schwanger! So Worte, wie „Kind“ oder „Schwangerschaft“ führen bei manchen ja zu seltsamen Gedankenpüpsen und falschen Schlussfolgerungen.

Vielen Dank für deinen Kommentar!