Macklemore macht Hormone – Schwiegermutter reißt das Ruder wieder rum

Hast du es schon gehört? Das neue Lied von Macklemore mit Ed Sheeran? Es würde mir SEHR helfen, wenn auch du Pipi in den Augen bekommen hast. Und vielleicht etwas Entenpelle am Arm.

Letztens lief es wieder im Radio, als ich mit M. unterwegs war. Ich sagte: “Gut, dass du nicht dabei warst, als ich das Lied das erste Mal gehört habe. Ich schwöre dir, ich hätte dich genötigt rechts ran zu fahren und mich zu schwängern.”
M. guckt mich verwundert mit großen Augen an. “Du musst dich schon entscheiden, ob Kinder oder nicht. Dieses Hin und Her, da komme ich nicht mit klar.”
Er hat ja Recht, denke ich mir. Aber wenn man doch WEISS,  dass jemand ein toller Vater wäre, darf man ihm das vorenthalten? Den Rest des Abends grübel ich vor mich hin.
Am nächsten Tag auf der Arbeit ist wieder eine Leitungsteam-Besprechung angesagt. “Frau H. wird die Position nicht übernehmen.”, sagt meine Schwiegermutter. “Da läuft die Familienplanung.”
Und da weiß ich es wieder. Mir fällt wieder ganz genau ein, warum ich eigentlich keine Kinder haben möchte. Ich mache mir keine Sorgen, dass M. kein “Vatermaterial” ist und mein Körper hat schon so viel durchgestanden, vermutlich würde er auch eine Schwangerschaft verkraften. Es liegt nicht an mir und es liegt schon gar nicht an ihm. Es liegt an den anderen. Es liegt daran, dass ein Frauenkörper als Allgemeingut gilt, sobald auch nur die Chance einer Schwangerschaft besteht.
Es liegt daran, dass die Mutterrolle so fest diktiert ist, das jeder meint er hätte ein Anrecht darauf sich zum Experten zu erheben.
“Ich finde es nicht gut, dass wir Frau H.s Familienplanung in dieser Runde besprechen. Ich glaube nicht, dass das sein muss.”, sage ich ruhig, aber bestimmt. Alle gucken mich verständnislos an. Eine bevorstehende Schwangerschaft? In ihren Augen geht das alle etwas an.
Nein. Ich möchte das nicht. Nicht so.

#pöbelfreierDonnerstag

Feuerwerk. Er steht hinter mir und hat die Arme fest um meine Mitte geschlungen. Mein Hinterkopf ruht an seiner warmen Wange und ich spüre, wie sich einige meiner Haare in seinem Bart verfangen.
Der Himmel ist erleuchtet von Abermillionen von zischenden Sternen und durchtränkt von klassischer Musik.
Sein Griff lockert sich etwas. Seine Lippen streifen mein Ohr, als er mir zuraunt “Soll ich dich hochheben?”
Ich schüttele den Kopf und schmiege mich noch etwas enger an seine Brust. Der weiche Mund, der sich gerade noch an meinem Ohr befand, haucht mir einen Kuss in die Haare.
Ich atme tief ein. Die Nachtluft, das Schwarzpulver und eine leise Ahnung seines Duftes.
Das Feuerwerk tobt dröhnend und leuchtend, die Musik ist so laut, dass mein Magen brummt.
In mir ist nur Ruhe.

#pöbelfreierDonnerstag – Was ist das?

shitty_lyrics

Rotze

Kennst du diese Tage, an denen man sich direkt nach dem Nachhausekommen in die rumlungerigsten Klamotten und aufs Sofa flüchtet?Diese Tage an denen es gerade recht und billig ist die ungesündeste Nahrung, die sich ohne großartige Kraftanstrengung auftreiben lässt, auf dem Sofa liegend in sich rein zu schaufeln? Natürlich läuft dabei der Fernseher.
Gestern war bei mir einer dieser Tage. Weil müde, kaputt und bäh. Also Schlafanzug und Sofa. Und weil es noch zu früh war, um etwas “Richtiges” (a.k.a. “irgendeine Folge irgendeiner Serie, in die man sich gerade herein gesteigert hat”) zu gucken, schalteten wir den Fernseher ein. Ja, um so richtiges Fernsehprogramm zu nutzen. Das tun wir sonst eigentlich nicht und ich erinnere mich gerade lebhaft daran, wie es meine Mutter einmal zur Weißglut getrieben hat, als ich – nichts böses ahnend – sagte “Wir gucken kein Fernsehen”. Und das tun wir nur nicht, weil wir dank DVD Player und/oder Amazon Prime einfach keinen GRUND haben das normale Fernsehprogramm zu konsumieren. Nicht dass hier jetzt wieder einer mit “versnobte Bildungselite” und so einem Zeug kommt.
Gestern taten wir es aber. Und oh weh! Hätten wir es bloß nicht getan! Schon nach wenigen Minuten ergriff mich ein großer Weltschmerz! Werther hätte sich ohne Umschweife von der nächstbesten Klippe gestürzt, hätte er mein Gefühlsleben zu diesem Zeitpunkt ertragen müssen.

Weil das Vorabendprogramm – seien wir doch jetzt alle mal ganz ehrlich – nicht allzu viel erträgliches bietet, hatte es uns zunächst auf 3sat verschlagen. Dort brachte man uns verschiedene Alpentäler näher. Sehr malerisch. Dann kam Hannibal. Mir fehlen die Worte, um dieses verstörende Spektakel näher zu erläutern. Versuche einfach mal dieses Video, du wirst verstehen was ich meine.
Vor Schreck schalteten wir also lieber um zu Galileo. Über Gehalt und Aufmachung dieser Art von Wissensvermittlung kann man streiten, aber es ist immerhin irgendwie interessant! Dann aber kam die Werbung. Es war gar nicht speziell der Spot über die Schönheits-OPs (Ja, da wird wohl heutzutage WERBUNG für gemacht 0.o), der mich endgültig aus der Fassung brachte. Vielmehr das große Ganze, das sich da übermächtig vor mir auftürmte und mir Softdrinks, Preisvergleiche, Filmvorschauen und Lieferdienst-Apps um die Ohren schleuderte.
Es war wie eine bedrohliche Lawine, die über mir zusammenbrach (wohl zu viele Alpentäler angeschaut…) und mich schließlich verschüttet unter einer bitteren Erkenntnis zurück ließ: Rotze. Alles Rotze! (…ist zur Zeit mein Lieblingswort, da müssen wir jetzt durch.) Und ein Großteil der Menschheit ist tatsächlich auf diese Rotze fixiert! Alles höher, schneller, besser, teurer – aber halt nur noch Rotze! Und die wollen das so oder merken es gar nicht! Das ist doch traurig?!