Danke, ich will nicht

„Danke, danke, danke“, steht im Kommentar unter einem Blogartikel einer Mutter, die sich unzulänglich fühlt. „Danke, dass es jemand ausspricht.“

Ich sitze heulend Zuhause, wegen der doofen Kollegin. „Du bist doch so tapfer und schlau, du kannst dich doch wehren“, sagt der der Mann. „Aber ich will nicht zickig wirken. Ich will nicht.“, heule ich.

Letzte Woche war internationaler Frauentag. Mancherorts wurden Rosen verteilt. An den Dornen kann man sich prima pieksen und sich so fühlen, als wäre man sogar zu doof Geschenke anzunehmen.

Ich finde das manchmal anstrengend mit dem Kämpfen.

Fauli McFaul

Ach, was gäbe es doch alles zu erzählen. Verregnete Urlaube, dreißigste Geburtstage, sich lösendes Laminat, keinen Schritt weiter in Sachen Gleichberechtigung. Aber ich bin zu faul, faul, faul. Und vielleicht auch etwas uninspiriert.

Ich präsentiere: den Grinch

Das Monster hat sich glücklicherweise verzogen. Irgendwann zwischen einer Folge Pettersson und Findus zum Abendessen und dem Schmücken des Weihnachtsbaums hat es sich verabschiedet. Natürlich nicht ohne mit verschränkten Armen genervt die Augen zu verdrehen, nochmal „Mennooooo“ zu seufzen und schließlich die Tür hinter sich zuzuknallen.

Nun weiß ich nicht, ob es ein Racheakt des vertriebenen Monsters ist, oder es schlicht und einfach durch das Zusammenzählen der freien Zeit zur Weihnacht geschah, aber: nun ist der Grinch da. Er sitzt grün und zottelig und miesepetrig unterm Weihnachtsbaum und manchmal schmeißt er einen der schönen Holzanhänger hinunter.
Soll er meinetwegen da sitzen bleiben, ich werde Weihnachten ja sowieso kaum Zuhause sein und ihm Gesellschaft leisten können.

Das Monster in eurem Kopf

Die hochschwangere Freundin ist zu Besuch. Irgendwann die unvermeidliche Frage: „Und wie sieht es bei euch aus, habt ihr auch schon über Kinder nachgedacht?“
Ich seufze. Aber sie darf das. Nach 17 gemeinsamen Jahren, in denen man auch nach langen Durststrecken immer wieder zusammengefunden hat, darf man das. Ehrlich war man schließlich schon immer zueinander. Ich erinnere mich da an einen Anruf, damals als sie frisch aus den Ferien kam.
Sie: „Ich habe jetzt einen Freund.“
Ich: „Super! Wie ist er so?“
Sie: „Er schielt.“

Und nebenher hat man noch die schlimmste aller Phasen gemeinsam durchgestanden: Das Erwachsenwerden. Also: Sie darf das. Trotzdem ist sie kurz wieder da, diese Angst vor der Antwort. Die Antwort, die in den Köpfen mancher Menschen einen schlechten Menschen aus mir macht. Ein kinderhassendes Monster. Ich fange also an mit dem harmlosen Part unserer Beziehung. „Also M. könnte sich vorstellen Kinder zu haben.“
Sie ahnt es schon, ich sehe es an ihrem Blick. Sie weiß, was jetzt gleich kommt. „Ich – also momentan zumindest… Man weiß ja nie, was noch kommt… Also jetzt zu für den Moment…. – möchte erstmal keine Kinder.“
Ein ängstlicher Blick zu ihr, sie sieht nicht erschrocken aus. „Darf ich fragen wieso?“, fragt sie einfach bloß ganz sachlich. „Musst du aber nicht drüber reden“, fügt sie schnell hinzu, als ich nochmals seufze.
„Nee, schon ok. Kann nur etwas länger dauer jetzt“.

Ich fange an und zähle Gründe auf. Rede von der Gruseligkeit der Schwangerschaft. Ich zähle auf und auf und sie nickt immer nur zustimmend. Verdreht die Augen an den richtigen Stellen und hat eigene Standpunkte hinzuzufügen. „Finde ich auch alles ganz genau so!“, stellt sie am Ende fest. „Ich habe dann aber beschlossen: Jetzt erst recht, ich mache das trotzdem.“

Wir essen weiter Kuchen, trinken Tee und ich bin dankbar kein Monster sein zu müssen heute.