Lebensbeichten

Gar nicht lange ist es her, da schrieb ich einen Artikel zur Menstruation, fühlte mich voll empowered, feministisch und vorreiterisch und so. Dann kam allerdings das Muffensausen und ich nahm ihn vom Blog.

Ach, und wo wir schon dabei sind: Manchmal schmuse ich noch mit Kuscheltieren.

Ich wäre gerne voll die harte Tussi. Bin ich aber nicht. Ist halt so.

Verdammt guter Grund

Auf der Geburtstagsfeier meiner Mutter und meiner Tante beginnt der DJ damit M.s und meine Wunschliste abzuarbeiten Die anderen scheinen unseren Musikgeschmack nicht zu teilen, aber wir haben trotzdem unseren Spaß. Später dann:

Schwiegervater (dezent angetrunken): Ich weiß jetzt, warum ihr unbedingt ein Haus haben wolltet! Damit ihr laut harte Musik spielen könnt und dazu abhotten.
Ich (ebenso denzent angetrunken): Ganz genau so ist es.
Schwiegervater: Und das ist ein verdammt guter Grund!

Trennung auf Zeit

Zugegeben: der Titel ist etwas sehr reißerisch, aber was man tut man nicht alles für Klicks… Ganz eigentlich geht es nämlich um etwas gleichzeitig sehr banales und doch tiefgreifendes: Schlafen.

Seit der Mann und ich auf wundersame Weise zu einem Häuschen gekommen sind (glücklicherweise ist es nicht vom Himmel gefallen), ereignet sich in regelmäßigen Abständen ein wahres Naturschauspiel in den Gesichtern unserer Besucher, wenn sie bemerken, dass wir zwei Schlafzimmer besitzen. Zwei Schlafzimmer für zwei Personen. Unmöglich, sagt die Erfahrung. Doch, sagt die Steffi.
Und während unser Gegenüber noch nach Luft jappst, bestätigen wir vorsichtshalber noch ein weiteres Mal: Ja, wir schlafen getrennt.
Das scheint in einer Zeit, in der Babys in Reagenzgläsern gezeugt werden können, noch immer etwas ganz und gar Erstaunliches zu sein. Ich erkenne da einen gewissen Aufklärungsbedarf und werde meinem erzieherischen Auftrag (ehm ja, nicht wirklich….) nun mit einigen Erläuterungen gerecht:

Warum schlafen wir getrennt?

Mimose und Bär

Ich bin ein schlechter Schläfer. Es gibt diverse Umstände, die mich erfolgreich vom Schlafen abhalten. Zu viele Geräusche, zu viel Licht, zu warm, zu kalt, zu müde (ja, das geht), zu früh, zu spät, zu nah am Fenster, etc… Einer der zuverlässigsten Umstände: ein schnarchender Mann.
Wir sind also eine denkbar schlechte Paarung, um des nachts in einem Bett vereint zu werden. Mir gefällt es nicht neben meinem schnarchenden Mann wach zu liegen und meinem Mann gefällt es nicht mehrmals pro Nacht geweckt zu werden, damit er sich auf die andere Seite dreht (bringt eh nix, aber die Hoffnung stirbt zuletzt und so).
Da M. sich seit Jahren erfolgreich weigert seine Polypen untersuchen zu lassen, muss er halt ausgelagert werden. Punkt.

Gegensätze ziehen sich an

Sieht man vom Schnarchen ab, gibt es noch andere Faktoren, die uns einfach nicht schlafkompatibel machen.
Ich mag es kühl im Zimmer. M. dreht gerne die Heizung hoch und kreiert unter Zuhilfenahme seiner Körperwärme eine schamanische Schwitzhütte.
Ich gehe erst ins Bett, wenn ich schlafen will. M. geht ins Bett und daddelt noch eine ganze Weile an irgendwelchen elektronischen Geräten. Das widerspricht meinem Bedürfnis nach tiefer, schwarzer Dunkelheit.
Zudem steckt er sich Kopfhörer ins Ohr und hört Musik. Zum Einschlafen! Man sollte meinen, dass seine allnächtlichen Schwitzhütten-Rituale zur Erkenntnis geführt hätten, dass das keine gute Schlafhygiene sein kann, aber nun gut…..
Man erkennt: es lässt sich kein Zustand herstellen, der beiden Kontrahenten gerecht werden würde. Also muss das Spielfeld aufgeteilt werden.

Was bedeutet getrennt schlafen nicht?

Getrennt schlafen ist kein Indiz für fehlende Innigkeit

Wir haben uns ganz doll lieb. Echt. Wir haben sogar schon vor der Hochzeit in verschiedenen Zimmern geschlafen und uns trotzdem vermählt. Wahnsinn, oder? M. ist der Mann, mit dem ich mein Leben teilen will. Nur eben nachts nicht mein Bett. Aber das würde ich mit niemandem teilen (außer mit Mops, aber der muss immer ans Fußende).

Ohne gemeinsames Bett lebt man nicht aneinander vorbei

Es ist nicht so, dass ich müde werde und dann einfach wortlos ins Bett verschwinde. Meist liegen M. und ich eine Weile gemeinsam im Bett, kuscheln und unterhalten uns über den Tag. So wie jedes andere Pärchen auch.
Morgens kriecht der zuerst Aufgewachte meist ins Bett des anderen. Am Wochenende wird dann auch ausgiebig gemeinsam im Bett Kaffee getrunken.
Wir haben ganz normale Schlafensgeh- und Aufstehrituale, auch gemeinsam.

Die Leidenschaft kommt nicht abhanden

Punkt. Diese Aussage werde ich nicht mit Beweisen untermauern. Wer unbedingt welche braucht, kann mich gerne persönlich darauf ansprechen.

Fazit

Für uns ist es völlig normal getrennt zu schlafen. Ich kann den Schock, den dieses „Geständnis“ immer wieder hervorruft nicht verstehen. Dumme Feststellungen wie „Oha, steht ihr kurz vor der Scheidung?“ oder „Ich dachte, das machen nur alte Leute, die nicht mehr so innig sind.“ muss ich leider als genau das abtun: dumm. Macht euch alle mal ein bisschen locker in der Hose und kommt raus aus der Spießerdenke, pföt!