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Verbrannt gegangen

„Die ist verbrannt gegangen.“ Mit diesen Worten stellte der Kellner in der Pizzeria meiner Begleitung weit nach allen anderen eine Pizza auf den Tisch. Natürlich eine frische, nicht die verbrannt gegangene.
Das ist schon viele Jahre her – weit über zehn. Und auch wenn ich das ein wenig erschreckend finde, erinnere ich mich in letzter Zeit häufig daran. Dabei geht es gar nicht um Pizza.
„Die ist mir verbrannt gegangen“, will ich dann auch immer sagen und die Schultern entschuldigend nach oben ziehen. So als wäre das halt ärgerlich, aber könne mal passieren und überhaupt. Verbrannt gegangen, aber das ist ja kein Weltuntergang.
„Die ist verbrannt gegangen“, murmele ich auch gestern, als ich im Auto den Nachrichten lausche. Die Erwähnung von Großbaustellen rund um Paderborn löst nämlich bösartiges Kichern bei mir aus. Also hilft nur „Die ist verbrannt gegangen“ hinterher zu murmeln. Das ist Erklärung und Entschuldigung zugleich.

Letztens im Einkaufszentrum hätte ich es vielleicht auch sagen sollen. Stattdessen klammerte ich mich an der Hand meines Mannes fest, als wir das Auto entdeckten, das ich zu entdecken befürchtet hatte.
Andererseits: hätte mein Mann das vielleicht merkwürdig gefunden, wenn ich mitten auf dem Parkplatz die Schultern hochgezogen hätte und „Die ist verbrannt gegangen“ lamentiert hätte?
Er hätte ja nicht wissen können, dass nicht die Pizza, sondern ja, was eigentlich? – gemeint wäre. Meine Aura? Meine positiven Schwingungen? Meine Gelassenheit? Vielleicht auch mein Glaube daran alle Menschen mögen zu können oder die, die man nicht mag, wenigstens so weit zu ignorieren, dass eben nichts verbrannt geht. Meine Fähigkeit zu verzeihen. Mein Wille die Gegenseite zu verstehen.
Manchmal alles verbrannt gegangen – bloß weil sie eine richtig doofe Kuh ist.

Techtelmechtel mit dem Frosch

Ich bin müde. So schrecklich müde. Draußen scheint die Sonne und eventuell könnte mein derzeitiger Zustand gerade noch erlauben sich irgendwo vor ein Café zu setzen und mir Koffein zuzuführen, während mir die Sonne auf die Nase scheint.
Aber ich sitze hier drinnen und weil ich schon heute Morgen so schrecklich müde war, kam ich so spät hier an, dass ich noch eine ganze Weile hier herum sitzen muss.
Während ich mir ein wenig leid tue und ich verzweifelt versuche meine Augen am Zufallen zu hindern, lese ich vom letzten Antillen-Ochsenfrosch-Paar auf Montserrat. Ich habe absolut keine Ahnung, wo Montserrat liegt. Aber es würde auch nichts am Schicksal dieser armen Fröschlein ändern. Denn das letzte  Antillen-Ochsenfrosch-Paar ist gar kein Paar. Sondern einfach nur zwei einzelne Frösche, die am selben Flussufer wohnen, aber doch nichts voneinander wissen. Ihre Artgenossen wurden ihres Lebensraums beraubt, gegessen oder von einem Pilz dahingerafft. Das ist nicht schön. Deswegen sollen sie nun einander vorgestellt werden, in der Hoffnung, dass es zu einem Techtelmechtel kommen könnte.
Das alles lese ich durch meine halb geschlossenen Augen und denke: eigentlich geht es mir ja ganz gut. Bloß sehr müde. Aber heute Abend kann ich wieder zu meinem Froschmann heimkehren. Der deckt mich dann liebevoll mit einem schönen Seerosenblatt zu und haucht mir einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn. Und ich muss gar nicht erst umgesiedelt werden, damit er mich findet. Das spart ihm auch eine Menge Heiserkeit, da er so nicht  die gesamte Paarungszeit über vergeblich Brunftlaute von sich geben muss.

So, so müde…..

Die Pfropfen

Irgendwo zwischen meinem Gehirn und meinen Fingern muss ein Pfropfen sitzen. Er verstopft zuverlässig den Zufluss von gelungenen Wortaneinanderreihungen hin zur Tastatur. Nun könnte man meinen, es wäre ein Stopfen. Wo er doch etwas verstopft. Mein Chemielehrer bestand aber damals stets darauf, dass es einen kleinen, aber feinen Unterschieden zwischen Stopfen und Pfropfen gäbe. Und ein kleines Dingsi, dass irgendwo draufsitzt und verhindert, dass etwas durchkommt, ist ein Pfropfen. Zumindest in der Chemie.

Nun. Also ein Pfropfen – und ich weiß nicht, wie oft es mir noch gelingen wird, das Wort korrekt auszuschreiben. Er sitzt ganz fest in einer Synapse, wie ich annehme, und passt auf, dass keine Wörter durchkommen, die ich eigentlich benötigen würde, um einen gelungenen Blogeintrag zur verfassen.

Leider scheint das nicht der einzige Pfropfen zu sein, der sich in mir breit gemacht hat. Da wäre noch der, der Gedanken der Art „Huiii, hier sieht es aber aus. Ich räume mal lieber schnell X nach Y. Und wenn ich XY hier einsortiere… und dann noch mal eben…. Und wo ich sowieso schon dabei bin, könnte ich gerade auch noch feucht durchwischen…“ aufhält. Und das in Zeiten, in denen solche Gedanken dringend benötigt würden.
Vielleicht könnte ich diesen Pfropfen mit einer etwas gesünderen Lebensweise entfernen. Das wäre eine gute Idee. Aber es gibt da noch einen dritten Pfropfen. Ich glaube er sitzt auch irgendwo in meinem Kopf. Es kommen nämlich gar keine Gedanken mehr an, die in etwa so klingen könnten: „Ja, hier herrscht Chaos. Aber das wird auch wieder besser. Jetzt stelle ich mich erstmal mitten rein ins Geöle der noch nicht vorhandenen Küche und mache einen schönen Salat.“
Kommt einfach nicht mehr vor! Stattdessen gelangen nur noch „Möp. Hunger. Was esse ich ohne es lange vorbereiten zu müssen? …. oh, eine Tafel Schokolade!“ Gedanken durch. Die scheinen einen Weg am Pfropfen vorbei zu kennen.

Nun sitze ich hier und hoffe, dass die Pfropfen mit dem ganzen Regen, Hagel, Schnee und Graupel weggespült werden, der momentan vom Himmel kommt. Oder dass sie auf UV-Licht reagieren und mit den nächsten Sonnenstrahlen verschwinden.